Trigeminusneuralgie
Die Trigeminusneuralgie ist eine sehr schmerzhafte neurologische Erkrankung, die das Gesicht betrifft. Am häufigsten tritt die Erkrankung bei Menschen über 50 Jahren auf, Frauen sind etwas häufiger betroffen. Die blitzartig einschießenden Schmerzattacken im Gesicht können viele Male am Tag vorkommen und zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität und des Allgemeinzustands führen.
Von der klassischen Trigeminusneuralgie abzugrenzen ist die schmerzhafte Trigeminusneuropathie, die als Dauerschmerz imponieren kann und beispielsweise durch Herpes-zoster-Viren („Gürtelrose“) verursacht wird. Darüber hinaus existieren weitere Formen von Gesichtsschmerzen, die sich in Ursache und Behandlung von der Trigeminusneuralgie unterscheiden.
Was ist eine Trigeminusneuralgie?
Die Trigeminusneuralgie ist gekennzeichnet durch anfallsartig auftretende, stärkste Schmerzen im Versorgungsgebiet des Nervus trigeminus, des fünften Hirnnervs, der das Gesicht sensibel über drei Äste (“trigeminus” steht für „dreifach“) versorgt. Die Attacken dauern Sekunden bis wenige Minuten und werden als elektrisierend, stechend oder messerstichartig beschrieben. Zwischen den Attacken sind die Betroffenen in der Regel schmerzfrei.
Ursache ist oft eine Kontaktstelle zwischen dem Nerv und einem Blutgefäß im Bereich des Hirnstamms, die sich oft erst im höheren Lebensalter entwickelt. Auch immunologische Erkrankungen oder andere strukturelle Veränderungen, die den Nerv verdrängen, können zu ähnlichen Beschwerden führen. Die Schmerzen treten typischerweise einseitig im Bereich von Stirn und Auge, Oberkiefer und Wange oder Unterkiefer auf. Bereits leichte Reize wie Zähneputzen, Kauen, Sprechen, kalte Luft oder Berührung können einen Anfall auslösen. Solche besonders empfindlichen Haut- oder Schleimhautareale werden als “Triggerzonen” bezeichnet. Während der Attacke sind die Schmerzen oft so stark, dass Alltagsaktivitäten nicht mehr möglich sind.
Eine sorgfältige fachärztlich-neurologische Diagnostik ist unerlässlich. Dazu gehört auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes mit Gefäßdarstellung, um mögliche Ursachen zu identifizieren. Gegebenenfalls ist zusätzlich eine Untersuchung des Nervenwassers notwendig, um entzündliche oder immunologische Ursachen, die ähnliche Beschwerden hervorrufen können, auszuschließen.
Wie kann eine Trigeminusneuralgie behandelt werden?
Die Therapie richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache und erfolgt zunächst medikamentös. Bei einer zugrundeliegenden chronisch-immunologischen Erkrankung wird diese ebenfalls bestmöglich behandelt.
Bestimmte Medikamentenklassen, manchmal auch in Kombination, dämpfen die Übertragung der Schmerzimpulse an den Nervenmembranen bei regelmässiger, zumeist mehrfach täglicher Einnahme. Erfolgt dies über einen längeren Zeitraum, kann eine Episode der Trigeminusneuralgie beendet oder abgemildert werden.
Leitlinien empfehlen Antikonvulsiva, Medikamente die auch bei Epilepsie eingesetzt werden als Mittel der ersten Wahl. Ihre individuelle Auswahl und Dosierung erfordert spezialisierte Erfahrung, um Wirksamkeit und Nebenwirkungen engmaschig überwachen und die Therapie bei Bedarf anpassen zu können. In manchen Fällen sind Kombinationstherapien oder intravenöse Medikamentengaben notwendig. Wenn Medikamente nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden, können interventionelle oder chirurgische Verfahren in spezialisierten Zentren erwogen werden. Eine gezielte nicht-medikamentöse Vorbeugung ist meist schwierig, da die Auslöser schwer kontrollierbar sind. Ergänzend zu den Medikamenten helfen jedoch nicht-medikamentöse Verfahren, den Leidensdruck zu verringern, sekundäre schmerzverstärkende Folgen wie Rückzug aus dem sozialen Leben, körperliche Inaktivität wegen Angst vor Attacken oder schmerzbedingten depressiven Verstimmung vorzubeugen.
Eine frühzeitige Diagnose und individuell angepasste Therapie können einer Chronifizierung vorbeugen und akute Episoden wirksam abfangen. Eine enge ärztliche Begleitung sowie die multimodale Schmerztherapie mit pflegerischer, physiotherapeutischer und psychotherapeutischer Unterstützung sind dabei entscheidend.
Unsere spezialisierten Physio- und Manualtherapeuten prüfen zudem, ob muskuläre oder kiefergelenksbezogene Faktoren die Schmerzen beeinflussen. Auch als Folge der Erkrankung können Beschwerden in Muskeln und Gelenken entstehen, die physiotherapeutisch gezielt behandelt werden. Die Patientinnen und Patienten erhalten hierzu individuelle Anleitungen und Übungen für den Alltag.
Unser Angebot für Sie
Unsere Klinik bietet eine umfassende Betreuung, von der differenzierten Diagnostik bis zur individualisierten Therapie der Trigeminusneuralgie, auf der Grundlage eines multimodalen Therapieansatzes. Unser interdisziplinäres fachärztliches Team aus Neurologen, Anästhesiologen und Allgemeinmedizinern mit Zusatzbezeichnung der Speziellen Schmerztherapie, Pflegefachkräften mit Weiterbildung in der Schmerztherapie sowie Physiotherapeuten und Psychologen erstellt gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Behandlungsplan. Ziel ist es, die Schmerzattacken zu beenden oder effektiv zu lindern und so Ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Wenn Sie unter wiederkehrenden, heftigen Gesichtsschmerzen leiden, vereinbaren Sie gerne einen Termin in unserer spezialisierten Ambulanz. Gemeinsam finden wir heraus, ob eine Trigeminusneuralgie vorliegt, und entwickeln die für Sie passende Therapie.
Für einen stationären Aufenthalt bitten wir um eine entsprechende Einweisung mit ärztlichen Unterlagen, um Sie möglichst bald aufnehmen zu können.
