Status Migraenosus
Migräne zählt weltweit zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen, welche mit vielfältigen Einschränkungen der Alltagsaktivitäten und Lebensqualität einhergehen kann. Rund 20 % der Bevölkerung sind betroffen, wobei Migräne bei Frauen häufiger vorkommt. Migräne ist ein Anfallsleiden, bei dem es einerseits zu sehr starken Kopfschmerzen kommt, aber auch zu vielen weiteren Symptomen, die ebenso beeinträchtigend sein können, wie Übelkeit oder Erbrechen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen. Wenn die Migränekopfschmerzen mit sehr hoher Intensität und Begleitsymptomen über mehrere Tage andauern, spricht man von einem Status migraenosus.
Was ist ein Status migraenosus?
Der Status migraenosus ist durch eine besonders langanhaltende Migräneattacke charakterisiert und stellt demnach eine ausgeprägte Verlaufsform der Migräne dar. Während typische Migräneanfälle in der Regel zwischen 4 und 72 Stunden andauern, spricht man von einem Status migraenosus, wenn die Beschwerden länger als 72 Stunden anhalten, sich durch übliche Medikamente nicht ausreichend lindern lassen und nicht durch eine andere Erkrankung zu erklären sind. Schätzungsweise 1-2 % aller Migränepatienten sind im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Nicht selten liegt einem Status migraenosus ein Medikamentenübergebrauch zu Grunde.
Die Medikamente, die in der Akutbehandlung sonst wirksam sind, erbringen oft keine ausreichende Wirkung mehr oder verstärken die Schmerzen sogar noch. Anhaltende Schmerzen führen dann oft zu einer weiteren Medikamenteneinnahme, ohne zuverlässige Linderung. Die Auslöser eines Status migraenosus ähneln denen einer Migräne und sind vielfältig. Dazu zählen unter anderem neben einem zu häufigen Gebrauch von Akutmedikamenten bei unzureichender Basistherapie, Stress, Schlafmangel oder hormonelle Veränderungen. Auch Infektionen können einen Status migraenosus begünstigen.
Da starke Kopfschmerzen viele Ursachen haben können, ist eine sorgfältige Abgrenzung zu anderen Krankheitsbildern wichtig. Eine Migräne sollte vordiagnostiziert sein. Andere Ursachen wie Hirnblutungen oder Hirnvenenthrombosen müssen je nach ärztlicher Beurteilung bestmöglich ausgeschlossen werden, bevor ein Status migraenosus behandelt werden kann.
Wie kann ein Status migraenosus behandelt werden?
Bei Verdacht auf einen Status migraenosus benötigen wir eine entsprechende Akuteinweisung des behandelnden Neurologen, des Schmerzarztes oder des Hausarztes. Unsere ärztliche Leitung entscheidet anhand Ihrer Unterlagen, ob eine zusätzliche Diagnostik im Vorfeld der stationären Aufnahme notwendig ist. Sobald die Einweisung vorliegt, setzen wir uns mit Ihnen in Verbindung.
Am Tag der stationären Aufnahme erfolgen eine ausführliche Anamnese und eine vollständige neurologische und internistische Untersuchung sowie Zusatzuntersuchungen wie Labor und EKG, oder gegebenenfalls auch eine Ableitung der Hirnströme (EEG). Ein Status migraenosus wird in der Regel mit der intravenösen Gabe von Kortison und/oder weiteren Migränetherapeutika behandelt. Auch lokale Infiltrationen im Bereich des Hinterkopfs können erfolgreich sein. Die Behandlung erfolgt über mehrere Tage. Im Rahmen des stationären Aufenthalts mit täglichen ärztlichen Visiten und umfassender Betreuung durch das spezialisierte Pflegefachpersonal werden mögliche Auslöser der Migräneattacke identifiziert und Behandlungsvorschläge auch für den ambulanten Bereich erstellt oder bereits begonnen. Wenn es unseren Patienten möglich ist, können sie auch an Gruppentherapien unseres stationären Programms teilnehmen.
Prävention und langfristige Betreuung
Damit es gar nicht erst zu einem Status migraenosus kommt, ist eine wirksame Prophylaxe entscheidend. Diese ist oft nur im stationären Rahmen möglich.
Dazu gehören das Erkennen und der Umgang mit individuellen Auslösern, das Erlernen von evidenzbasierten (geprüft wirksamen) nicht-medikamentösen Therapien wie aktive Entspannungsverfahren, eines angepassten Ausdauertrainings im aeroben Bereich sowie das Anwenden von individuellen physiotherapeutischen Eigenübungen. Die psychologische Verhaltenstherapie unterstützt Sie bei der Identifikation von migräneauslösenden und unterhaltenden Umständen und gibt Ihnen Möglichkeiten an die Hand, hier wichtige Änderungen für Ihren privaten und beruflichen Alltag einzuleiten. Auch die Bedeutung regelmäßiger Schlaf- und Essgewohnheiten ist ein wichtiger Baustein unserer vorbeugenden Patientenedukation.
Unser Angebot für Sie
Unsere Klinik bietet Ihnen ein umfassendes Betreuungskonzept: von der individuellen Beratung in unserer spezialisierten Ambulanz bis hin zur intensiven Versorgung im stationären Rahmen. Ziel ist es, akute Beschwerden rasch zu lindern und Ihnen langfristig zu mehr Lebensqualität zu verhelfen.
Wenn Sie unter häufigen oder besonders schweren Migräneanfällen leiden, vereinbaren Sie gerne einen Termin in unserer Ambulanz. Gemeinsam entwickeln wir eine Therapie, um Ihre Migräne nachhaltig besser in den Griff zu bekommen.
