Cluster-Kopfschmerz
Clusterkopfschmerzen sind durch eine extrem hohe Schmerzintensität und das gehäufte Auftreten mehrerer Attacken am Tag oder häufig auch nachts gekennzeichnet. Diese als „Cluster“ oder „Bündel“ bezeichneten Attacken wechseln sich mit beschwerdefreien Intervallen ab. Im Vergleich zur Migräne treten Clusterkopfschmerzen sehr viel seltener auf, betreffen Männer etwas häufiger als Frauen und beginnen oft erst im mittleren Lebensalter. Clusterkopfschmerzen haben wie die Migräne episodische oder chronische Verlaufsformen. Charakteristisch ist zudem, dass die Attacken zu bestimmten Tages- oder Jahreszeiten wiederkehren können. Clusterkopfschmerzen können die Lebensqualität stark einschränken und werden nicht selten erst nach einem langen Leidensweg richtig diagnostiziert.
Was ist Clusterkopfschmerz?
Typisch für Clusterkopfschmerzen sind plötzlich auftretende, sehr starke, einseitige Schmerzen, die meist über oder hinter dem Auge bis zur Schläfe lokalisiert sind. Eine Attacke kann zwischen 15 Minuten und unbehandelt bis zu 3 Stunden dauern.
Während der Schmerzphase treten häufig Begleitsymptome auf der betroffenen Seite auf, etwa eine Rötung, Schwellung und Tränen des Auges oder eine laufende beziehungsweise verstopfte Nase. Diese sogenannten trigemino-autonomen Symptome sind zwar typisch, kommen jedoch nicht ausschließlich beim Clusterkopfschmerz vor.
Betroffene zeigen während der Attacke meist eine ausgeprägte innere Unruhe und haben den Drang, sich zu bewegen oder umherzulaufen.
Man unterscheidet zwei Verlaufsformen:
- Episodischer Clusterkopfschmerz: Die Attacken treten über Wochen oder Monate in Phasen („Bouts“) auf und verschwinden dann für mindestens drei Monate.
- Chronischer Clusterkopfschmerz: Die Attacken kehren ohne längere Pausen immer wieder.
Diagnose des Clusterkopfschmerzes
Obwohl die Attacken für Betroffene und Angehörige sehr eindrücklich sind, wird die Diagnose oft erst verzögert gestellt. Ursache ist die Seltenheit dieser Kopfschmerzform sowie die Notwendigkeit einer gezielten fachärztlichen Anamnese. Häufig kommt es zu Verwechslungen mit Migräne oder anderen einseitigen Kopfschmerzformen.
Vor der Diagnosestellung müssen – wie auch bei der Migräne – andere Ursachen der Beschwerden bestmöglich ausgeschlossen werden. Dazu gehört insbesondere eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes mit Gefäßdarstellung und Feinschnittbildern bestimmter Hirnregionen. Da auch entzündliche oder immunologische Erkrankungen ähnliche Kopfschmerzen hervorrufen können, sollten zuvor hausärztlich-internistische Basisuntersuchungen erfolgen.
Nicht selten gelingt die Diagnosesicherung erst unter stationären Bedingungen, wenn eine Attacke durch spezialisiertes Fachpersonal beobachtet wird. In solchen Fällen kann die unmittelbare Akuttherapie mit hochdosiertem Sauerstoff über eine spezielle Maske nicht nur therapeutisch wirken, sondern auch diagnostisch unterstützen, da sie die Attacke abkürzen kann.
Wie kann Clusterkopfschmerz behandelt werden?
Die Therapie kombiniert akute Maßnahmen zur schnellen Unterbrechung der Attacken mit prophylaktischen Strategien, um ihr Wiederauftreten zu verhindern.
In der akuten Situation werden Patientinnen und Patienten in unserer Klinik darin geschult, die Sauerstoffmaske korrekt anzuwenden und die Dosierung eigenständig zu regulieren, sodass die Behandlung jederzeit – auch nachts – erfolgen kann. Wenn Sauerstoff allein nicht ausreicht, kommen Triptane zum Einsatz, die entweder als Nasenspray oder als subkutane Injektion mit einem Pen verabreicht werden.
Da die häufigen Attacken stark belasten, wird zusätzlich eine medikamentöse Begleittherapie eingeleitet. In akuten Phasen wirkt häufig eine kurzzeitige hochdosierte Kortisontherapie, die im stationären Rahmen intravenös und unter sorgfältiger Überwachung gegeben wird. Parallel beginnt die Einstellung auf eine Basisprophylaxe, die über Wochen bis Monate eingenommen wird.
Diese Behandlung erfolgt insbesondere in der Aufdosierungsphase unter enger fachärztlicher Kontrolle, was im stationären Umfeld meist besser gelingt als ambulant. Auch bei Patienten mit weiteren Erkrankungen bietet sich eine überwachte medikamentöse Einstellung an.
Im weiteren Verlauf kann eine schrittweise Dosisreduktion oder ein Ausschleichen der Medikamente versucht werden. Viele Betroffene erleben danach lange anfallsfreie Intervalle.
Bei besonders schweren oder chronischen Verläufen können neuromodulierende Verfahren in spezialisierten Zentren erwogen werden. Die Entscheidung erfolgt individuell und in enger Abstimmung zwischen Patient, behandelnden Ärzten und Spezialisten.
Während aktiver Phasen sollten Triggerfaktoren, wie zum Beispiel Alkohol konsequent gemieden werden. Regelmäßige Tagesstrukturen, Ausdauersport und das Führen eines Kopfschmerztagebuchs unterstützen das Krankheitsmanagement zusätzlich.
Unser Angebot für Sie
Unsere Klinik bietet bei erwiesenem Clusterkopfschmerz in der Akutphase eine stationäre Behandlung mit intravenösen Therapien unter Überwachung, gezielter Beratung, Schulung zur Anwendung der Akutmedikation sowie der Einleitung einer geeigneten Basistherapie.
Zwischen den Anfällen können Sie auf Wunsch an nicht-medikamentösen Therapieeinheiten teilnehmen, etwa Ausdauertraining, Gruppen zur Schmerzbewältigung oder Verhaltenstherapie. Dieses Angebot richtet sich an Patienten mit episodischem wie chronischem Clusterkopfschmerz. Sie können auch für einen längeren stationären Aufenthalt für eine multimodale Schmerztherapie zugewiesen werden, wenn eine medikamentöse Neueinstellung oder das Erlernen nicht-medikamentöser Bewältigungsstrategien erforderlich ist.
Wenn die Diagnose eines Clusterkopfschmerzes noch unklar ist, kann sie in der Regel während eines stationären Aufenthaltes gesichert werden. Voraussetzung hierfür sind bereits erwähnte Basisabklärungen im ambulanten Bereich. Nach Eingang der Anmeldeunterlagen prüfen wir, ob weitere Untersuchungen notwendig sind; diese können gegebenenfalls ebenfalls bei uns durchgeführt werden. Eine Zuweisung in unsere Ambulanz ist ebenfalls möglich.
Ziel all unserer Maßnahmen ist es, Attacken rasch zu durchbrechen, die Anfallhäufigkeit deutlich zu reduzieren und damit Ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
