Chronische Migräne
Migräne zählt weltweit zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen und kann mit vielfältigen Einschränkungen der Alltagsaktivitäten und Lebensqualität einhergehen. Etwa 20 % der Bevölkerung sind betroffen, Frauen deutlich häufiger als Männer. Migräne ist eine Anfallserkrankung, bei der es nicht nur zu starken Kopfschmerzen, sondern auch zu begleitenden Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, Stimmungsschwankungen, Konzentrations- und Schlafstörungen kommen kann.
Während die meisten Betroffenen einzelne Attacken mit schmerzfreien Phasen dazwischen erleben, kann sich die Erkrankung bei einem Teil der Patienten zu einer chronischen Verlaufsform entwickeln. Diese sogenannte chronische Migräne geht mit einer besonders hohen Krankheitslast einher und erfordert eine spezialisierte Behandlung.
Was ist eine chronische Migräne?
Nach den Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) liegt eine chronische Migräne vor, wenn über mindestens drei Monate an 15 oder mehr Tagen pro Monat Kopfschmerzen auftreten, von denen mindestens acht Tage typische Migränesymptome aufweisen.
In der Regel besteht zuvor eine episodische Migräne, was für die Abgrenzung zu anderen Kopfschmerzformen wichtig ist.
Eine Chronifizierung kann unter anderem durch den regelmäßigen Übergebrauch von Akutmedikamenten wie Triptanen oder Schmerzmitteln begünstigt werden. Die Unterscheidung zwischen einer chronischen Migräne und einem Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch ist anfangs oft schwierig. Wird die Einnahme zu häufiger Akutmedikation jedoch reduziert, kann sich die Migräne wieder in eine episodische Form zurückbilden – meist im Rahmen einer eng begleiteten, spezialisierten Therapie.
Die Symptome der chronischen Migräne entsprechen grundsätzlich denen der episodischen Form: pulsierende, meist einseitige Kopfschmerzen hoher Intensität, Übelkeit oder Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, Rückzugsbedürfnis und Verschlechterung durch körperliche Aktivität. Auch Aura-Symptome wie Sehstörungen, Sensibilitäts- oder Sprachstörungen können auftreten. Charakteristisch für die chronische Migräne ist jedoch, dass sich die Anfälle zunehmend überlappen und die Kopfschmerzen im Tagesverlauf an- und abschwellen, mit nur wenigen oder gar keinen beschwerdefreien Tagen.
Da langanhaltende oder sehr häufige Kopfschmerzen viele Ursachen haben können, ist eine sorgfältige Abklärung erforderlich. Neben primären Kopfschmerzformen wie Spannungskopfschmerz oder Clusterkopfschmerz müssen auch sekundäre Ursachen (z. B. Gefäßveränderungen, Entzündungen oder Raumforderungen) ausgeschlossen werden.
Eine neurologische Untersuchung und gegebenenfalls bildgebende Diagnostik (z. B. MRT des Kopfes) sind daher notwendig, um die Diagnose einer chronischen Migräne sicher zu stellen.
Wie kann eine chronische Migräne behandelt werden?
Die Behandlung erfolgt nach nationalen und internationalen Leitlinien und beruht wie bei der episodischen Migräne auf einer Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Verfahren.
Die individuelle Auswahl richtet sich nach Begleiterkrankungen (z. B. Bluthochdruck), nach besonders belastenden Symptomen wie Schlafstörungen und nach den Bedürfnissen im Alltag. Auch ein möglicher Medikamentenübergebrauch muss berücksichtigt werden. In solchen Fällen kann eine begleitete Medikamentenpause im stationären Rahmen sinnvoll sein.
Im Mittelpunkt der Therapie steht eine wirksame Prophylaxe, um die Häufigkeit und Intensität der Kopfschmerzen und Begleitsymptome zu reduzieren.
Hier stehen bewährte prophylaktische Medikamente ebenso zur Verfügung wie neue migränespezifische Substanzen, die gegen das Botenmolekül CGRP gerichtet sind, sowie Onabotulinumtoxin A. Diese Therapien können ambulant durchgeführt werden; bei stationären Behandlungen werden entsprechende Empfehlungen in den ärztlichen Entlassbriefen festgehalten.
Auch die Auswahl und richtige Anwendung von Akutmedikamenten (Triptane, Ditane, Gepante oder klassische Schmerzmittel) erfordert spezialisierte ärztliche Erfahrung.
Neben der medikamentösen Therapie spielen nicht-medikamentöse Maßnahmen eine zentrale Rolle.
Patientinnen und Patienten mit chronischer Migräne benötigen hierbei eine besonders enge Begleitung, da unsachgemäß durchgeführte oder überfordernde Therapien – etwa intensive sportliche Aktivitäten – Schmerzen verstärken oder neue Attacken auslösen können. Häufig fehlt zudem aufgrund der Erschöpfung durch die Migräne die Kraft, aktiv zu starten.
Im stationären Rahmen unterstützt ein interdisziplinäres Therapieteam die Patientinnen und Patienten kontinuierlich dabei, geeignete Verfahren zu erlernen und schrittweise in den Alltag zu integrieren. Ziel ist es, die Anfallsfrequenz und Schmerzintensität zu senken, das Selbstvertrauen zu stärken und langfristig die Abhängigkeit von Medikamenten zu verringern.
Unsere Klinik bietet hierzu ein breites Spektrum an nicht-medikamentösen Verfahren:
- Physiotherapie mit individueller Anleitung zu Eigenübungen
- Gruppenangebote zur Stressbewältigung und Schlafverbesserung
- Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung, Yoga, Pilates, Autogenes Training und Qi Gong
- Aerobes Ausdauertraining (z. B. Nordic Walking) in verschiedenen Belastungsstufen
- Therapien bei migräneverstärkenden Kieferfunktionsstörungen
- Ärztliche und psychologische Einzelgespräche zu Belastungsfaktoren, Schmerzbewältigung und individuellen Lösungsstrategien
- Patientenvorträge zur Krankheitsaufklärung und zu modernen Behandlungsoptionen
Nicht-medikamentöse Techniken werden auch gezielt zur Akutbehandlung von Schmerzspitzen und Migräneattacken geschult und eingeübt.
Unser Angebot für Sie
Unsere Klinik bietet eine umfassende Betreuung bei chronischer Migräne im stationären Rahmen – von der Diagnostik über die Akuttherapie bis zur multimodalen Langzeitbehandlung.
In unserer spezialisierten Ambulanz erfolgt die Diagnostik und Beratung zu allen medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapieoptionen.
Ziel ist es, die Häufigkeit und Intensität der Migräneanfälle deutlich zu verringern, Kopfschmerztage zu reduzieren und Ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Wenn Sie unter häufigen oder stark belastenden Migräneattacken leiden, können Sie sich über eine ärztliche Einweisung stationär in unserer Klinik aufnehmen lassen oder einen Termin in unserer Ambulanz vereinbaren.
Gemeinsam entwickeln wir ein individuelles Behandlungskonzept, das zu Ihrem Alltag passt und Ihnen langfristige Erleichterung verschafft.
