Wie kann ich Migräne vorbeugen?

Benjamin Schäfer
Leitender Physiotherapeut
Letzte Änderung: 11. März 2026
Kopfschmerzen und vor allem Migräne können sehr belastend sein. Natürlich ist es wichtig, bei einer akuten (also gerade bestehenden) Migräneattacke oder starken Kopfschmerzen schnell Hilfe zu bekommen – zum Beispiel durch Schmerzmittel, Kühlung oder Ausruhen. Aber genauso wichtig ist es, dafür zu sorgen, dass solche Beschwerden möglichst seltener auftreten. Das nennt man Vorbeugung oder auch Prophylaxe.
Es gibt verschiedene Ansätze, Migräne und anderen Kopfschmerzen vorzubeugen:
- durch regelmäßiges Training (z. B. Entspannungsübungen oder Ausdauersport),
- durch vorbeugende Medikamente,
- oder durch Veränderungen im Lebensstil – wie ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten, Stressabbau und das Vermeiden von Multitasking oder regelmäßige Pausen. Hierbei können auch verhaltenstherapeutische Ansätze hilfreich sein.
Das Ziel der Vorbeugung ist, die Anzahl der Tage mit Kopfschmerzen oder Migräne zu verringern und somit die Abstände zwischen den Schmerzphasen zu verlängern. So kann sich auch die Lebensqualität wieder verbessern.
Wann ist eine Vorbeugung sinnvoll?
Nicht-medikamentöse Verfahren wie regelmässige körperliche Aktivitäten und Achtsamkeit sind im Prinzip für alle Personen mit Migräne sinnvoll. Eine prophylaktische Behandlung wie oben beschrieben, wird empfohlen zum Beispiel dann, wenn:
- jemand > 3 Tage pro Monat beeinträchtigende Kopfschmerzen oder Migräneanfälle hat,
- dadurch die Lebensqualität eingeschränkt ist,
- man zu viele Schmerzmittel einnimmt (was auf Dauer problematisch ist)
- oder wenn Medikamente zur akuten Behandlung nicht gut wirken oder unangenehme Nebenwirkungen verursachen.
Ob zur Vorbeugung Medikamente, andere Methoden oder eine Kombination aus beidem eingesetzt werden, muss individuell mit einem Arzt oder einer Ärztin (Neurologe, DMKG Kopfschmerz-Experte) entschieden werden.
Wie wirksam ist eine Vorbeugung?
Eine vorbeugende Behandlung gilt in Studien als erfolgreich, wenn sich die Anzahl der Migräne- oder Kopfschmerztage bei mindestens der Hälfte der Betroffenen um 50 % verringert. Wenn Patienten mit Migräne gefragt werden, wird oft angegeben, dass es 1 oder 2 Tage mit Migräne pro Monat weniger wert wären, regelmäßige Übungen durchzuführen. Dazu kommen auch Faktoren der allgemeinen Verbesserung des Wohlbefindens und der Lebensqualität, welche nicht allein durch die Anzahl der Schmerztage abgebildet werden.
Medikamente – aber nicht nur
Viele Menschen möchten weniger Medikamente einnehmen oder sogar ganz darauf verzichten, um Nebenwirkungen oder eine „Abhängigkeit“ zu vermeiden. Besonders bei Migräne ist der Wunsch groß, auch andere Möglichkeiten zu nutzen.
Und das ist verständlich – denn es gibt gute Hinweise aus der Wissenschaft, dass nicht-medikamentöse Methoden wirksam sein können. Oder noch besser: Wenn man beides kombiniert – also vorbeugende Medikamente und zum Beispiel eine Verhaltenstherapie –, kann das sogar besonders gut helfen. Dies nennt man einen Add-on-Effekt.
Welche Methoden ohne Medikamente helfen?
Für einige nicht-medikamentöse Verfahren gibt es wissenschaftlich belegte Erfolge. Besonders gut untersucht sind:
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Dabei lernt man, wie man mit Stress, Schmerzen und belastenden Gedanken besser umgeht.
- Biofeedback: Das ist ein Verfahren, bei dem man lernt, bestimmte Körperfunktionen, wie zum Beispiel Muskelspannung, gezielt zu steuern, um Schmerzen zu reduzieren.
Beide Methoden haben sich in vielen Studien als wirksam gezeigt. Die kognitive Verhaltenstherapie ist außerdem ein fester Bestandteil moderner Schmerztherapie.
Auch gut wissenschaftlich untersucht und bewährt sind:
- Entspannungsverfahren, vor allem Yoga und die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, aber auch andere Verfahren, wie Autogenes Training oder Atemtechniken.
- Aerober Ausdauersport
Weitere Verfahren, wie Physiotherapie werden derzeit wissenschaftlich auf Wirksamkeit untersucht und könnten bei bestimmten Personen mit Migräne und Nacken-/Kieferschmerzen eine Bereicherung sein.
Fazit
Migräne und andere Kopfschmerzen kann man nicht nur behandeln, wenn sie akut auftreten – man kann ihnen auch vorbeugen. Und zwar nicht nur mit Medikamenten, sondern auch mit einem gesunden Lebensstil, Verhaltenstherapie, Entspannung und Sport. Um hier die richtigen Ansätze für sich selbst zu finden, braucht es insbesondere bei häufigen und schweren Verlaufsformen von Migräne und Kopfschmerzen oft Unterstützung durch ein erfahrenes Behandlungsteam.
Die beste Wirkung zeigt eine Kombination aus verschiedenen Methoden, die individuell abgestimmt werden sollte. Wichtig ist: Man sollte sich nicht mit den Schmerzen abfinden – es gibt viele Wege, aktiv dagegen vorzugehen.
