Chronische Migräne

Bei der Migräne werden anhand der Kopfschmerzhäufigkeit ein chronischer und ein episodischer Verlauf unterschieden.

≤ 14 Tage mit migräneartigen Kopfschmerzen pro Monat

Episodische Migräne

≥ 15 Tage mit migräneartigen Kopfschmerzen pro Monat

Chronische Migräne

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0 Tage                                                                                                                                 30 Tage

Die Mehrzahl der Patienten leiden unter einer episodischen Migräne, das heißt es kommt in unterschiedlich großen Abständen zu einzelnen abgrenzbaren Migräneattacken von einem halben bis zu drei Tagen Dauer meist mit den Begleitsymptomen Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und Zunahme der Schmerzen bei körperlicher Aktivität sowie dem Bedürfnis sich zurückzuziehen und auszuruhen.

Treten an mehr als 15 Tagen Kopfschmerzen auf, die in der Mehrzahl (mindestens 8 Tage) die typischen Kennzeichen von Migräneattacken aufweisen, kann es sich um eine chronische Migräne handeln.

Die Akuttherapie (Behandlung von Schmerz und Begleitsymptomen) unterscheidet sich bei beiden Erkrankungsvarianten nicht, bei der vorbeugenden Therapie (Prophylaxe) sollte jedoch die spezielle Situation der chronischen Migräne berücksichtigt werden. Die Migräne ist als langjährige Erkrankung natürlich per se eine chronische Erkrankung mit Auswirkungen auf die Lebensgestaltung und Qualität.

Neben den, sowohl bei chronischer, als auch bei episodischer Migräne einsetzbaren und häufig gut wirksamen medikamentösen Prophylaxen, kann bei der chronischen Migräne zusätzlich eine Behandlung mit Botulinumtoxin erwogen werden. Botulinumtoxin wird in der Medizin seit Langem eingesetzt und konnte in mehreren Studien seine Wirksamkeit bei der Behandlung der chronischen Migräne belegen, zur Behandlung der episodischen Migräne ist Botulinumtoxin nicht zugelassen.

Die Auswahl der geeigneten Behandlung für Patienten mit chronischer Migräne erfolgt nach ärztlicher Untersuchung und ausführlicher Beratung. Die Empfehlungen zur nichtmedikamentösen Vorbeugung (regelmäßiger Ausdauersport, Erlernen eines Entspannungsverfahrens, Mitbehandeln häufig vorhandener zusätzlicher psychischer Belastungen) sollten in jedem Fall umgesetzt werden. Die besten Behandlungsergebnisse erbringen spezielle Methoden dann, wenn sie Bestandteil eines Gesamttherapiekonzeptes sind.

Botulinumtoxininjektion nach dem PREEMPT-Studienschema

Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch

Insbesondere auf die Häufigkeit der Einnahme von Schmerzmitteln oder Triptanen muss ein besonderes Augenmerk gelegt werden, da eine zu häufige Einnahme ebenfalls die Zunahme einer Migräne begünstigt (Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch). Weitere Kopfschmerzerkrankungen, die in ihrem klinischen Bild der Migräne ähneln, müssen ebenfalls abgegrenzt werden. Die Mechanismen, die zu diesem Kopfschmerz führen, sind nicht vollständig verstanden. Beteiligt sind Lernprozesse („immer wenn ich Kopfschmerz habe, brauche ich ein Schmerzmittel“) sowie physiologische Prozesse im Gehirn, die zur Überempfindlichkeit führen. Die ständige Einnahme der Schmerzmittel verändert den Migränekopfschmerz, die Schmerzintensität wird häufig etwas geringer und Begleitsymptome sind weniger stark ausgeprägt. In dieser Situation kann die Unterscheidung zwischen Spannungskopfschmerzen und Migräne schwierig werden, deshalb sprach man früher von einem Mischkopfschmerz.